Bin ein fahrender Gesell

Rud. Baumbach (T), Lud. Keller (M), 1894, BF Loch, BP

1.

Bin ein fahrender Gesell, kenne keine Sorgen, labt mich heut’ der Felsenquell, tut es Rheinwein morgen. Bin ein Ritter lobesam, reit’ auf Schusters Rappen, führ’ den lockern Zeisighahn und den Spruch im Wappen: Nur immer lustig Blut und heit’rer Sinn, futsch ist futsch und hin ist hin.

2.

Zieh’ ich in ein Städtlein ein, spür’ ich’s im Gehirne, wo man trifft den besten Wein und die schönste Dirne. Spielmann lächelt wohlgemut, streicht die Fiedel schneller, und ich werf’ ihm in den Hut meinen letzten Heller. Nur immer…

3.

Meister Wirt darfst heut’ nicht ruh’n, schlag heraus den Zapfen! Back, Frau Wirtin, mir ein Huhn und zum Nachtisch Krapfen! Was ich heut’ nicht zahlen kann, zahlen will ich’s künftig, darum schreib’s mit Kreide an, Wirt, und denk’ vernünftig! Nur immer…

4.

Wein’ dir nicht die Äuglein trüb, Mägdelein, vor Trauer! Fahrender Gesellen Lieb’ ist von kurzer Dauer. Fahrender Gesellen Lieb’ endet vor den Toren, wein’ dir nicht die Äuglein trüb, hast nicht viel verloren! Nur immer…

5.

Kommt ein Stern mit einem Schwanz, will die Welt zertrümmern, leiert euren Rosenkranz, mich soll’s wenig kümmern. Wird dem Weltenbrand zum Raub, Berg und Tal und Heide, wird das Wirtshaus auch zu Staub, schwarzes Brett und Kreide. Nur immer…

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