Einst pocht ich an ein einsam’ Haus

J. Wolff (T, 1834 – 1910), Fr. v. Wickede (M), BP

1.

Einst pocht’ ich an ein einsam’ Haus in weltvergess’nem Tale, der greise Siedler trat heraus mit weingefüllter Schale. Da nimm und trink, so sprach er mild, es ist vom irdischen Gefild’ das beste Blut der Reben, so dir ein Mensch kann geben.

2.

Ich trank sie leer, ich hielt sie hin, noch eine, nur noch eine! dann sag dem Fremdling, der ich bin, wie kamst du zu dem Weine? Der Alte schüttelte den Bart: such ihn dir selbst auf deiner Fahrt, wirst noch um diesen Tropfen, an manche Türe klopfen.

3.

Nun hab’ ich nimmer Ruh noch Rast, des Weines muss ich denken, war seinetwegen schon zu Gast in ungezählten Schenken. Ich such’ ihn auf dem Erdenrund, am Rhein, im Welschland und Burgund, such’ ihn bei Nacht, bei Tage, bei jedem Glockenschlage.

4.

Drum kann ich nicht vorübergeh’n, wo Herbergsschilder rosten,
kann nirgends Wein verzapfen seh’n, muss jeden einmal kosten. Den einen such’ ich immer nur, und eh ich ihm nicht auf der Spur, muss wandern ich und trinken, bis mir die Äuglein sinken.

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