Sind wir nicht zur Herrlichkeit geboren (Bierkönigreich)

Herm. Wollheim (T), 1835, BF Kaspar, BFP

1.

Sind wir nicht zur Herrlichkeit geboren? Sind wir nicht gar schnell emporgedieh’n? Malz und Hopfen sei’n an uns verloren, haben unsre Alten oft geschrieen. Säh’n sie uns doch hier, vallera, bei dem lieben Bier, vallera, das uns Amt und Würde hat verlieh’n, hey!

2.

Ganz Europa wundert sich nicht wenig, welch ein neues Reich entstanden ist, wer am meisten trinken kann, ist König, Bischof, wer die meisten Mädchen küsst. Wer da kneipt recht brav, vallera, heisst bei uns Herr Graf, vallera; wer da randaliert, wird Polizist.

3.

Unser Arzt studiert den Katzenjammer, Trinkgesänge schreibt der Hofpoet; der Hofmundschenk inspiziert die Kammer, wo am schwarzen Brett die Rechnung steht. Und der Herr Finanz, vallera, liquidiert mit Glanz, vallera, wenn man contra usum sich vergeht, hey!

4.

Um den Gerstensaft, ihr edlen Seelen, dreht sich unser ganzer Staat herum. Brüder, zieht, verdoppelt eure Kehlen, bis die Wände kreisen um und um! Bringet Fass auf Fass, vallera, aus dem Fass ins Glas, vallera, aus dem Glas ins Refektorium, hey!

5.

Im Olymp bei festlichem Gelage, Brüder, sind wir uns einander nah; wenn dann Hebe kommt, um uns zu fragen: ‹Wünschen Sie vielleicht Ambrosia?› Wie kommst du mir für, vallera? Bring mir bayrisch Bier, vallera, ewig bayrisch Bier, Halleluja!

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